Pilgerreisen zwischen Seelenruhe und Großevent

Eine der traditionsreichsten und ältesten Formen, eine Reise zu begehen, ist die Pilgerreise. Das Pilgern zu bestimmten Orten zieht sich zeitlich durch die gesamte Geschichte der menschlichen Zivilisation und verteilt sich räumlich über die ganze Welt. In allen bedeutenden Kulturkreisen ist die Pilgerreise bekannt, in einigen wird ihr allerdings eine größere Bedeutung beigemessen als in anderen.

Pilgerreisen und SeelenruheDie Reisenden aller kulturell religiöser Couleur besuchen eine Stätte von religiöser Bedeutung in dem Glauben, dort dem Übernatürlichen näher sein zu können. Der Weg dorthin geht mit Entbehrungen einher. Die Reise mit dem Ziel einer heiligen Stätte symbolisierte den Lebensweg der Menschen vor der Ankunft im Himmel. Für die Gläubigen war der Weg selbst daher eine Zeit der seelischen Ruhe. Der Verlauf des eigenen Lebens und dessen Stationen und Ziele ließen die Menschen Revue passieren. Somit konnten sie während einer Reise, die für die Religion bestimmt war, ganz konkret Rückschlüsse über das eigene Leben gewinnen. Gerade dieser Aspekt lässt Pilgerreisen für viele Menschen heute wieder aktuell werden. In einer sich beschleunigenden Welt ist die Pilgerreise eine Phase der geistigen Erholung und der Hinterfragung der Prioritäten. Die Reise erfüllt bei vielen, aber längst nicht mehr bei allen Pilgerern einen religiösen Zweck.

Wie tief das Pilgern in den Sehnsüchten des Menschen verwurzelt ist , zeigt dessen weltweite Verbreitung. Die Hindus pilgern in die Stadt Benares, wo die Toten dem heiligen Fluss Ganges übergeben werden. Für Muslime aus aller Welt ist es Pflicht, mindestens ein Mal im Leben die Kaaba in Mekka sieben Mal umkreist haben. Buddhisten pilgern unter anderem nach Bodhgaya in Indien, wo der Buddha seine Erleuchtung erfuhr. Die Christen haben ebenfalls eine lange Liste an Wallfahrtsorten. Meistens handelt es sich um Stationen des Lebens Jesu Christus, der Heiligen Jungfrau Maria oder späterer Heiliger.

Wenn Sie sich auf eine Pilgerreise begeben möchten, sollten Sie zunächst darüber nachdenken, welche Art von Reise Sie antreten möchten. Dies hängt davon ab, wie viel Zeit Sie sich nehmen möchten, auf welche Art Sie gerne reisen und wie Ihre körperliche Verfassung ist. Die bekannteste unter den europäischen Pilgerwegen ist der Jakobsweg. Viele Besucher gehen von dem langen Weg nur die letzten 100 Kilometer. Dies ist die Mindeststrecke, für die Pilgerer einen Eintrag in ihren Pilgerausweis bekommen, eine Urkunde (die Compostela) am Zielort Santiago de Compostela und die Berechtigung, in den günstigen Pilgerherbergen zu nächtigen. Sie sollten sich vor Antritt der Reise sicher sein, dass Sie diese Strecke zu Fuß zurückzulegen in der Lange sind. Das Buch von Hape Kerkeling mit dem Titel „Ich bin dann mal weg“ thematisiert in weiten Teilen die Probleme der übergewichtigen Frohnatur mit schmerzenden Füßen und nachlassender Fitness. Sie sollten sich für das Vorhaben ausreichend Zeit einplanen, um die Tage in Ruhe angehen und bei Bedarf Pausen einlegen zu können. Desweiteren sollten Sie Ihr Ziel und die Reisezeit an Ihre persönlichen Wünsche anpassen. Um am Beispiel des Jakobsweges zu bleiben, ist im Jahr 2014 Heiliges Compostelanisches Jahr. Pilgern Sie aus religiösen Gründen und/oder freuen sich über eine Vielzahl an Begegnungen mit Gleichgesinnten,Pilgerreisen kann dies ein geeigneter Zeitraum für Ihre Reise sein. Die erwarteten 180.000 Besucher in dem Jahr könnten Sie allerdings abschrecken, wenn Sie in erster Linie nach seelischer Ruhe und Ausgeglichenheit suchen.

In Europa gibt es eine Fülle von Wallfahrtsorten. Im italienischen Assisi wurden mit Franz von Assisi und der Heiligen Klara der Begründer des Franziskanerordens und sowie die Begründerin des Klarissenordens geboren. Den Quellen von Lourdes werden eine heilende Wirkung nachgesagt. Im belgischen Manneux können Sie sehen, wo sich die Marienerscheinungen der Mariette Beco ereignet haben sollen. Im italienischen Loreto befindet sich mit dem Santa Casa eine der heiligsten Wallfahrtsstätten der katholischen Welt. Wie in Lourdes erhoffen sich Kranke auch im portugiesischen Fátima Wunderheilung. Die Liste der Pilgerziele in Europa und dem Rest der Welt ist beinah unerschöpflich und die Besucher pilgern aus verschiedensten Gründen an diese mystischen Orte voller gelebter Geschichte.